Veredelungsökonomie 1

Performance/Intervention, A 2011
METAmART, Künstlerhaus/Wien, 17.-20. November 2011
8 KünstlerInnen, abgesperrter Arbeitstisch, 15 METAmART Kunstwerke, Werkzeug, Live Video Ausspielung

"Die aktive Veredelung gehört zu den bedeutendsten Verfahren der Weltwirtschaft und dient der Werterzeugung durch Aufladung mit konnotierten Werten. Veredelungsökonomie bewirkt durch eine substantiell meist unerhebliche technische Veränderung, Form und (oder) Qualitätsverbesserungen, die nicht zu einer eigentlichen Stoffumwandlung führen, die aber für einen individuell verfeinerten Geschmack wirtschaftlich bedeutungsvoll sind."  Occupy - keep the change; von Duesenberg: Zeno: Surcamp 2011

Die neugegründete Konzeptgalerie C Schwarz importiert ein bewährtes Welthandelsprinzip in die Wiener Kunstszene: Der alternative Kunstmarkt METAmART wird zum Rohstoffpool umgedeutet, 8 KünstlerInnen der Galerie entwickeln neue Werke aus angekaufter Flachware, das anwesende Publikum kann den Veredelungsprozess hautnah miterleben, die veredelten Werke werden sofort wieder in den Markt eingespeist.

METAmART, die diesjährige Spielart des Erfolgsformats „Artmart – Kunst zum Einheitspreis“, die ironische Abarbeitung an unkonventionellen Marktsituationen (wie „Silent Auction“ „Post-It-Kunst“ und „100.000 Euro Konzept“) versprach, aber auch eine große Auswahl an niederpreisige Flachware bot, die am ersten Markttag mit Hilfe eines erfahrenen Großeinkäufers (verkörpert von Boris Manner) kostengünstig erworben wurde. An den darauffolgenden 4 Markttagen unterhielt die Galerie C Schwarz im Zentrum des Künstlerhauses einen abgesperrten Arbeitstisch, der 8 ausgewählten KünstlerInnen als Bühne für Veredelungsprozesse unterschiedlichster Natur bot:

"Julius Deutschbauer
entwickelte aus Rohstoffen von Karin Ferrari, Lukas Troberg, Judith Rohrmoser eine doppelbödige Spielart seiner „Feigenblattkunst“. Bei Thomas Draschan läuft alles wie immer aus dem Ruder: Neben symbolträchtiger Collagearbeit (Heinz Fischer, Papst Johannes Paul II.) kam zentimeterdick Ölfarbe und Uhu zum Einsatz, als Unterlage dafür dienten uA. Arbeiten von Alfredo Barsuglia und Frau Isa. Sebastian Koch bündelt mit „Craetius“ Fotografie und Siebdruck in einer tektonisch raffinierten Einheit, als Hintergrund dafür kam ein Werk von Maria Hanl zum Einsatz. Das Ensemble „My washing machine is louder than your reality“ von Anna-Kirsten Krambeck kommt wie ein riskantes Husarenstück zwischen Hoch- und Massenkultur daher, in dem McDonalds Gutscheine, Hartmut Böhme Zitate (“Kunst und Fetischismus”), Diskurspop und Bernie Madoffs durchlöcherte Kreditkarte in Form eines Tryptichons aufeinander losgelassen werden. Inspiration fand die Künstlerin dabei in Arbeiten von Rudi Klein, Udo Fon und Stefan Wanka. Michail Michailov überträgt in „Detached“ einen lobotomischen Schnitt am Papier (Zeichnung von Isidora Krstic) in ein räumliches Objekt: Zwei Plexiglasscheiben ermöglichen dabei dem Betrachter, den eigenen Kopf zwischen zwei Egos zu parken. Markus Proschek („Coverversions“) verrußt eine Fotoarbeit von Ulrich Dertschei mit einem ihm zum Markenzeichen gewordenen kryptisch-raffinierten Referenzsystem, das an die dunklen Flecken in unserer Biographie gemahnt. „Art like flies over shit (Why Banksy won’t come to Vienna…again)” vom Künstlerchamäleon Renfah zitiert, inszeniert und ironisiert schon im Titel Kunst als die Anbahnung des grossen Gestus der durch performative Aufladung aufgebauscht wurde, sowie als Geschichte des Scheiterns: In einer nächtlichen Graffiti-Aktion bekommt sowohl das Künstlerhaus als auch ein Druck von Jonas Geise sein Fett ab, die aktionistische Geste ist dann aber doch so unleserlich, dass der Galerist zum Katerfrühstück im Blaumann erscheinen muss, um die Spuren seines Künstlers auszuweisseln In Reinhold Zissers „Fjällsta Metamart (Object Variation VIII)“ hat die Veredelung eine räumliche Auswirkung: aus einem kunstmarktkritischen Print von horstmaria wird ein kunstmarkttauglicher Papierhut, der auf 3 Podesten zwischen Beuys und Hirst laviert."

Text: Daniel Bleninger