Die 785 Künstlerinnen vor mir (und das nur in Österreich!!!)
Netzwerk-Performance / Viennafair 2010
Auf einem Messestand werden alle 785 österreichischen Künstler/Künstlerinnen, die für Mai 2010 auf der renommierten Kunstranking-Plattform „Artfacts“ (www.artfacts.net) vor Christoph Schwarz gereiht sind, mit Angaben zur Karriere-Entwicklung der letzten 10 Jahre an die Wand plakatiert (30m²). Diese Reihung wird aus Ausstellungsbeteiligungen und Rezensionen („der Ökonomie der Aufmerksamkeit“) errechnet. Christoph Schwarz ist nach Artfacts für 2010 auf dem bescheidenen 30.917 Platz gereiht, alleine aus Österreich befinden sich 785 Kunstschaffende vor ihm.
Die ARGE Schwarz (vertreten durch Blacky Palermo) ist während der gesamten Messe mit dem Ziel vor Ort, möglichst viele der vor ihm gereihten Kolleginnen an seinen Stand zu einem Gespräch einzuladen. Wird er fündig, folgt ein zwangloser Austausch über deren Karriereentwicklung, es wird Sekt getrunken und ein Polaroidfoto beim Händeschütteln geschossen. Dieses Foto wird mitsamt einer kurzen Zusammenfassung des Gesprächs (per analoger Schreibmaschine) als Momentaufnahme wiederum an die Wand gehängt- dieses Dokumentationspanel ist dort wiederum verkäuflich, der Preis des Bildes ergibt sich nach dem Punktestand des gelisteten Künstlers: Für das Dokumentationspanel von Schwarz und Christoph Holzeis (Platz 27.733, Punktestand 961) würde man 29 Euro zahlen, für das Panel mit Jörg Auzinger (Platz 14.155, Punktestand 2.278) bereits 68 Euro, für das Panel mit Hans Staudacher (Platz 2787, Punktestand 11.430) 343 Euro. Die Einkünfte werden zwischen den beiden Künstlern und der Galerie nach einem verhandelbaren Schlüssel aufgeteilt.
Wenn auf einer Kunstmesse Kunst gekauft wird, so zählt für den Sammler neben den ästhetischen Kriterien einer Arbeit auch das Entwicklungspotential des Künstlers / der Künstlerin. KuratorInnen, GaleristInnen und andere Player im Betrieb greifen ebenfalls gerne auf Artists Rankings zurück, wenn man einen schnellen Überblick über den Karrierestand eines Kunstschaffenden gewinnen will. „Die 785 Künstlerinnen vor mir (und das nur in Österreich!!)“ ist diesem Instrument prinzipiell neutral gegenüber eingestellt- möchte aber diese Ebene gerade im hyper-kommerzialisierten Rahmen einer Messe stärker sichtbar machen. Dabei werden im Sinne der Appropriation Art die Karrieren anderer Künstler als Material für die eigene Arbeit vereinnahmt.
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Fotos: Florian Rainer | Joe Lucero